Straßenwinterdienst
Der Straßenwinterdienst muss die Mobilität jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers sowie die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft auch in den Wintermonaten gewährleisten.
Dabei stellt der zunehmende Verkehr in Verbindung mit häufigern extremen Witterungsverhältnissen höhere Anforderungen an die Qualität des Winterdienst.
Der Winterdienst im Blickpunkt der Öffentlichkeit
Der Winterdienst steht bei jedem Wintereinbruch im Blickpunkt der Öffentlichkeit, da jeder Bürger als Verkehrsteilnehmer unmittelbar von dem Ereignis betroffen ist. Während in den Sommermonaten Stauungen oder sonstige Verkehrsbeeinträchtigungen dem starken Verkehrsaufkommen angerechnet werden, ist bei Schneefall oder überfrierender Nässe sofort die Effizienz der Winterdienstorganisation auf "dem öffentlichen Prüfstand".
Zur bestmöglichen Gewährleistung der Verkehrssicherheit unternimmt die bayerische Straßenbauverwaltung alle Anstrengungen, die Serviceleistungen im Winterdienst laufend zu optimieren.
Der heutige Räum- und Streudienst der Straßenbauverwaltung geht dabei weit über die rechtlichen Anforderungen hinaus. Der Winterdienst in diesem hohen Umfang ist rechtlich gesehen eine freiwillige Leistung der öffentlichen Verwaltung, die aber aus gesamtwirtschaftlichem Interesse dennoch unverzichtbar ist.
Die Qualität des Winterdienstes stellt einen Kompromiss zwischen den Mobilitätsansprüchen der Gesellschaft und dem finanziell noch Vertretbaren dar.
Notwendige Vorbereitungen der Kraftfahrer auf den Winter
Öffentlicher Winterdienst und private Vorsorge müssen sich ergänzen.
Die Verkehrsteilnehmer können einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit im Winter leisten.
Zur privaten Vorsorge gehören im Winter insbesondere
- das rechtzeitige Ausrüsten der Fahrzeuge mit wintertauglicher Bereifung (§ 2 Straßenverkehrsordnung) sowie
- ein den winterlichen Fahrbahnverhältnissen angepasstes Fahrverhalten.
Einsatzzeiten im Winterdienst
Rund um die Uhr wird der Winterdienst auf den Autobahnen und den Bundes- und Staatstraßen mit einer herausragenden Verkehrsfunktion durchgeführt.
Das übrige Straßennetz der Bundes- und Staatstraßen wird vorrangig zwischen 6.00 und 22.00 Uhr in einem befahrbaren Zustand gehalten. Mehr als die Hälfte der Winterdiensteinsätze beginnen aber auch auf diesem Netz bereits vor 4 Uhr morgens, um die in der Nacht einsetzende Glätte infolge Schnee, Reif oder Eis noch vor dem Beginn des Berufsverkehrs beseitigen zu können.
Die vom Winterdienst angestrebte "Befahrbarkeit" unserer Straßen schließt jedoch Schneereste auf der Fahrbahn oder bei länger andauernden Schneefällen auch eine geschlossene Schneedecke mit ein. Auch mit stellenweiser Glätte oder örtlich begrenzten Schneeverwehungen muss gerechnet werden.
Bei Glätte können auf dem gesamten Straßennetz die Streueinsätzen meist innerhalb von 2 Stunden abgeschlossen werden. Bei anhaltenden Schneefällen benötigen die Räumfahrzeuge auf den Bundes- und Staatstraßen etwa 3 Stunden bis sie die gleiche Stelle im Straßennetz wieder räumen und streuen können. Auf den Autobahnen werden bei Schneefall zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, so dass dort die Umlaufzeit von 2 Stunden beibehalten werden kann.
Straßenzustands- und Wetterinformationssysteme
Für einen wirksamen und wirtschaftlichen Winterdienst ist eine möglichst frühzeitige Kenntnis des zu erwartenden Wetters von entscheidender Bedeutung.
Die auf den Straßen eingerichteten Glättemeldeanlagen, die Wetterradarbilder sowie die kurz- und mittelfristige Straßenzustands- und Wetterprognosen des Deutschen Wetterdienstes stehen den Autobahn- und Straßenmeistereien rund um die Uhr zur Verfügung.
Die Glättemeldeanlagen liefern insbesondere Informationen über die Fahrbahntemperatur und die Luftfeuchtigkeit.
Mit den Wetterradarbildern können heranziehende Niederschlagsfronten frühzeitig erkannt und die Dauer und Intensität der Schneefälle genauer abgeschätzt werden.
Streustoffe im Winterdienst
Unter den Aspekten der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit ist das Salz (insbesondere NaCl) weiterhin das beste Auftaumittel. Nahezu alle Räum- und Streufahrzeuge der bayerischen Straßenbauverwaltung sind mit Feuchtsalzstreugeräten ausgerüstet.
Die Anfeuchtung des Taumittels beim Ausstreuen reduziert die Verluste durch Verwehen und Wegschleudern und führt so zu einer besseren Verteilung des Streumittels auf der Fahrbahn. Dadurch ist es gelungen, den Salzverbrauch auf 10 – 15 g/m² zu senken.
Es gilt: So viel Salz wie nötig, so wenig wie möglich.
Durch die Feuchtsalztechnologie können auch "vorbeugende" Streueinsätze durchgeführt werden, die eine Glättebildung oftmals verhindern oder zumindest ihre Auswirkungen auf den Verkehr abschwächen. Der vorbeugende Einsatz von Streusalz auf den Außerortsstraßen führt zu einer wesentlichen Reduzierung der Unfallzahlen und der Unfallkosten.
In den Salzhallen der bayerischen Autobahn- und Straßenmeistereien stehen knapp 300.000 Tonnen an Lagerkapazität zur Verfügung. Die Salzhallen werden bereits nach den ersten Streueinsätzen wieder nachgefüllt, so dass eine ausreichende Salzbevorratung während der gesamten Winterperiode sichergestellt ist.
Abstumpfende Streustoffe, wie Splitt und Sand, sind vergleichsweise wenig wirksam und um ein Vielfaches teurer. Sie weisen wegen ihrer problematischen Entsorgung und wegen der Gesundheitsgefährdung durch die Staubentwicklung gesamtökologisch eine ungünstigere Bilanz auf.
Maßnahmen zur Stauvermeidung
Auf den Autobahnabschnitten mit besonders kritischen Winterdienstlagen werden gezielte Maßnahmen zur Stauvermeidung in den Wintermonaten getroffen. Dazu gehören differenzierte Gefahrdurchsagen im Rundfunk, vorausschauende Empfehlungen von Umleitungsstrecken sowie ein zeitweises Fahrverbot für die LKW auf dem mittleren und linken Fahrstreifen.
Für den koordinierten Einsatz von Polizei, Winterdienstkräften und Rettungsdiensten wurden Katastrophenschutzsonderpläne ausgearbeitet, die den Eintritt kritischer Situationen möglichst verhindern sollen und im Fall eines unabwendbaren Katastrophenfalls die erforderlichen Maßnahmen zügig durchführen lassen. So müssen für die im Stau Eingeschlossenen warme Getränke, Verpflegung, warme Kleidung, Treibstoff und ggf. Notunterkünfte bereitgestellt werden.
Koordinierter Einsatz von Großschneeschleudern
Für extreme Winterdiensteinsätze hält die Bayerische Straßenbauverwaltung Großschneeschleudern vor, die dezentral in den Alpenregionen und in den Mittelgebirgen stationiert sind. Sie werden als "Winterdienst-Feuerwehrfahrzeuge" an den aktuellen Brennpunkten des Winterdienstes eingesetzt. Die bayerischen Großschneeschleudern können bei Schneekatastrophen im gesamten Bundesgebiet eingesetzt werden.